Erzählt und geschrieben von Mareike Löffler (NIFA plus-Beraterin bei Kolping in Main-Tauber):
NIFA plus bietet für Geflüchtete ab 15 Jahren eine persönliche Beratung und Begleitung beim Weg in Schule, Ausbildung und später Arbeit. Außerdem wird in NIFA plus nach dem ganzheitlich- familienorientierten Ansatz beraten, wobei das gesamte Familiengefüge in den Blick genommen wird. Diese Erfolgsgeschichte zeigt eindrücklich, warum der familienorientierte Ansatz in NIFA plus so wertvoll ist.
Estefania ist eine 16-jährige Kolumbianerin, die zusammen mit ihren Eltern um Asyl gebeten hat. Wohnhaft ist sie in Külsheim in der Gemeinschaftsunterkunft, zusammen mit ihrer Mutter und deren Partner. Sie verfügt über eine Aufenthaltsgestattung.
Die aktuelle Situation im Herkunftsland wird als chaotisch und (lebens-) gefährlich beschrieben. Dennoch werden nur wenigen Kolumbianer*innen gute Aussichten auf ein Bleiberecht zugebilligt (laut aktueller Zahlen geht die Schutzquote eher gegen null). Diese prekäre Situation beherrschte von Anfang an das Beratungsgespräch.
Ihre Mutter kam mit der damals 15-jährigen Estefania an einem Vormittag im September zu einem Erstgespräch. Zunächst schilderte die Mutter ihren Wunsch, einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden. Da die Deutschkenntnisse von Frau V. noch im A0/A1 Niveau lagen, erfolgte die Beratung auf Spanisch. Das schaffte Vertrauen und so schilderte sie viel über die aktuell schwierige Situation der geflüchteten Familie.
Dazu wurde auch die augenscheinlich minderjährige Tochter befragt. Es stellte sich schnell heraus, dass Estefania mit ihrer aktuellen Situation nicht glücklich war. „Ich besuche eine Sprachschule. Dort sind lauter Erwachsene - meist Ukrainer*innen und alle sind viel älter als ich. Außerdem geht es dort nur sehr langsam voran“. Eine Rückfrage zum Alter des Mädchens ergab, dass sie (noch) 15 Jahre alt und somit im schulpflichtigen Alter war. Auf die Frage, warum sie nicht die Regelschule besuchen würde, sagte sie: „Ich muss erst B1 bestehen, haben sie gesagt - erst dann darf ich auf die normale Schule gehen“.
Nicht zum ersten Mal wurde im Rahmen der NIFA plus-Beratung eine solche Situation geschildert: trotz Schulpflicht, besuchte die Jugendliche lediglich eine Sprachschule. Auf Rückfrage bestätigte Estefania: "Es ist mein großer Wunsch, auf eine richtige Schule zu gehen!". Dieses Ziel sollte bis zum Schuljahresbeginn erreicht werden.
Neben der Beratung von Frau V. begann damit auch die Begleitung von Estefania durch NIFA plus. Es wurde die hiesige Schule kontaktiert, um einen Termin mit der Schulleitung zu vereinbaren. Das Gespräch zwischen Eltern, Estefania und der Schulleitung konnte sogar noch einige Tage vor Beginn des neuen Schuljahres stattfinden. Hierbei wurde auch besprochen, welche Schule im Kreis die beste Passung aufweisen würde. Gerade im Alter von 15-16 Jahren stellen sich Fragen zum Übergang beispielsweise zu Realschule oder Gymnasium.
Erfreulicherweise konnte Estefania schon kurz darauf den Einstieg in ihre neue Klasse ohne große Zeitverzögerungen feiern. Am 22.09.2025 begann für sie das neue Schuljahr in der 9. Klasse der Pater-Alois-Grimm-Schule (PAGS) in Tauberbischofsheim.
Frau V. bat zudem um den Kontakt zu einem Schwimmverein, da Estefania sich gerne zum Schwimmtraining anmelden wollte. Auch dieser Kontakt zum DLRG konnte hergestellt werden.
Sowohl die sprachlichen Fähigkeiten als auch die Lebenssituation der Familie haben sich durch die Unterstützung im Rahmen von NIFA plus und des ganzheitlich- familienorientierten Ansatzes deutlich verbessert. Estefanias Mutter, Frau V., hat übrigens inzwischen mithilfe von NIFA plus einen Minijob gefunden.