Erzählt und geschrieben von Stephanie Ivaschuk (NIFA plus-Beraterin der Bruderhaus Diakonie in Tübingen):
Frau M. stammt aus Gambia und lebt seit zwölf Jahren in Deutschland. Sie ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern im Alter von 12, 9 und 3 Jahren. Seit Mitte 2023 hatte sie eine Aufenthaltserlaubnis nach dem Chancenaufenthaltsrecht (§104 c AufenthG) und bis November 2024 musste sie eine Arbeit finden, um ihren Status zu sichern. Als sie in die Beratung kam hatte sie das Sprachniveau A2 und wollte den Sprachkurs A2.2 noch beenden. Zudem stand sie auf der Warteliste für den Test „Leben in Deutschland“.
In Deutschland hatte Frau M. bisher noch nicht angestellt gearbeitet und sie leidet unter Rückenproblemen, die es ihr unmöglich machen, schwere Lasten zu heben. Sie konnte sich eine Tätigkeit in der Alltagsbetreuung, Tagespflege oder Küche vorstellen. Aufgrund der Kinderbetreuungszeiten kann sie nur von 08:30 bis 13:00 Uhr arbeiten, was eine große Herausforderung darstellte. Ihr Lebenspartner hat keine formelle Qualifikation und arbeitet Schicht, sodass er sie nur sehr wenig mit den Kindern unterstützen kann.
Durch das Projekt NIFA plus erhielt Frau M. umfassende Unterstützung. Gemeinsam wurde zunächst ein Orientierungspraktikum in der Hauswirtschaft einer Tagespflegeeinrichtung gesucht und gefunden. Obwohl das Praktikum erfolgreich war, passten die Arbeitszeiten leider nicht zu den Betreuungszeiten ihrer Kita. Frau M. bekam einen Qualifizierungsvorschlag für die Arbeit einer Alltagsbegleitung von der Stadt Tübingen. Voraussetzung für die Qualifizierungsmaßnahme war eine Bestätigung der Praktikumsstelle und eine zusätzliche berufliche Erprobung von 80 Stunden.
Unterstützt durch das NIFA plus-Team suchte Frau M. nach einer Praxisstelle und wurde zu Vorstellungsgesprächen begleitet. Durch intensives Üben der Vorstellungsgespräche erhielt sie eine Zusage für einen Qualifizierungsplatz und eine Praxisstelle im Seniorenheim. Während der Qualifizierungsmaßnahme fanden regelmäßig Termine im Projekt NIFA plus statt, um Probleme mit Kindergeld, Kindergartenplatz und Nachhilfe für die größeren Kinder zu organisieren. Die gemeinsame Arbeit zeigte Erfolge: Die sechsmonatige Qualifizierungsmaßnahme verlief erfolgreich und Frau M. gefiel die Arbeit in der Tagespflege sehr. Sie beendete die Qualifizierungsmaßnahme mit einem Zertifikat als Alltagsbegleiterin mit dem Zusatz Betreuungsassistentin in Pflege-Wohngemeinschaften sowie voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen.
Trotz der Herausforderungen hinsichtlich der Kinderbetreuungszeiten fand Frau M. im Dezember 2024 eine Stelle bei der Evangelischen Heimstiftung Tübingen im Bereich Tagespflege und konnte Mitte Januar 2025 als Alltagsbetreuerin dort beginnen.
Durch das Projekt NIFA plus lernte Frau M., wo sie Unterstützung für ihre Anliegen erhalten kann und wurde selbstständiger und selbstsicherer bei der Erledigung von Formalitäten. Natürlich trägt zur Sicherheit auch ihre Aufenthaltsverfestigung bei. Frau M. hat die Sprachprüfung A2.2 wiederholt und bestanden sowie auch das Zertifikat „Leben in Deutschland“ erworben.
Die Geschichte von Frau M. zeigt, wie viel Motivation und Durchhaltevermögen nötig sind, um als geflüchtete Frau in Deutschland Fuß zu fassen. Trotz vieler Hindernisse und Rückschläge hat Frau M. ihren Weg gefunden und ist nun glücklich in ihrem neuen Beruf. Ihr nächstes Ziel ist nun, die dauerhafte Niederlassungserlaubnis zu beantragen. Ihre Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, Erfolge zu feiern und kontinuierlich Unterstützung zu bieten.