Im Diözesanzentrum Obermünster in Regensburg diskutierten am 25.09.2025 rund 80 Teilnehmende aus Beratung, Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft und Selbstvertretung über Zugänge zum Arbeitsmarkt für geflüchtete und zugewanderte Menschen mit Behinderung. Der vom Inklusionszirkel Flucht.Migration.Behinderung der Stadt Regensburg organisierte Kongress wurde durch Grußworte von Holger Kiesel (Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung), Landrätin Tanja Schweiger, Karl Straub (MdL, Integrationsbeauftragter der bayerischen Staatsregierung) und Bernadette Dechant (Stadträtin) eröffnet. Schweigers Appell „Wir dürfen niemanden verlieren“ wurde zum Leitgedanken des Tages.
Die WIR-Netzwerke NIFA plus und FiBA+ waren vor Ort und haben aus der Praxis über die bestehenden zahlreichen Hürden geflüchteter Menschen mit einer Behinderung beim Arbeitsmarktzugang berichtet. Expert*innen aus Recht, Beratung, Reha sowie Menschen mit Fluchterfahrung und Behinderung konnten so zusammen über konkrete Zugangswege zum Arbeitsmarkt diskutieren. Ziel der Veranstaltung war es, strukturelle Hürden sichtbar zu machen, praktikable Lösungen zu entwickeln und lokale Akteure für die gemeinsame Umsetzung zu vernetzen.
NIFA plus konnte darauf aufmerksam machen, dass insbesondere kognitive oder psychische Beeinträchtigungen bei Geflüchteten häufig unerkannt bleiben – sei es aufgrund fehlender Fachärzt*innen, mangelnder Sprachmittlung oder fehlenden Bewusstseins. Spezielle Deutschkurse und passende Angebote der Sprachförderung für geflüchtete Menschen mit Behinderung sind zudem rar und oft unzureichend. Sowohl Geflüchtete als auch Beratende wissen oft zu wenig über Leistungen der Arbeitsagentur oder der Eingliederungshilfe. Wissen ist häufig an Einzelpersonen gebunden – geht es verloren, entstehen Unsicherheit, Überlastung und Verweisberatung ohne ausreichende Begleitung. Genau deshalb hat NIFA plus frühzeitig einen eigenen Weg eingeschlagen, das Thema Flucht und Inklusion als strukturelles Entwicklungsthema definiert und fest im Projekt verankert mit dem Ziel Geflüchtete mit Behinderung noch besser beraten und begleiten zu können. Die Voraussetzung dafür war, unser Beratungsteam intern in Kooperation mit Partnern aus dem Inklusionsbereich zu qualifizieren. Über die interne Qualifizierung NIFA plus haben wir hier bereits berichtet.
Im Kongress wurde die Notwendigkeit barrierefreier Arbeitsplätze sowie der frühzeitigen Identifikation von Unterstützungsbedarfen hervorgehoben. NIFA plus konnte sich zudem für die Abschaffung von Arbeitsverboten und eine großzügigere Vergabe längerer Aufenthaltserlaubnisse aussprechen. Aus der Beratungspraxis wurde betont, dass Beratung Zeit und Raum braucht, um auf Augenhöhe stattfinden zu können. Bürokratische Abläufe wirken dabei oft als Barriere echter Kommunikation. Dolmetschen und professionelle Sprachmittlung sind daher unverzichtbar; gleichzeitig braucht es genügend Zeit, um Vertrauen aufzubauen und die Ressourcen der Ratsuchenden systematisch zu erfassen. Zeitmangel in Beratungen wurde als wiederkehrendes Problem identifiziert. Ehrenamtliche Angebote können einen niedrigschwelligen Einstieg für Neuankommende bieten, sollten aber mit professioneller Begleitung verknüpft werden. Die Agentur für Arbeit und die Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber (EAA) betonten zudem die Bedeutung klarer Zuständigkeiten und eines Perspektivwechsels in der Zusammenarbeit mit Unternehmen.
Für NIFA plus war der Fachtag inhaltlich sehr bereichernd und zugleich ausgesprochen motivierend. Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner Handicap International e.V. haben wir daher entschieden, das Format zeitnah in digitaler Form erneut durchzuführen:
Interessierte aus den Bereichen Recht, Beratung und Rehabilitation, Menschen mit Fluchterfahrung und Behinderung sowie Arbeitgebende sind herzlich eingeladen, am digitalen Fachtag „Wege in Arbeit – aber wie? Arbeitsmarktzugänge für zugewanderte und geflüchtete Menschen mit Behinderung“ am 28. Januar 2026 von 09:30 bis 12:00 Uhr teilzunehmen.
Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier: Wege in Arbeit – aber wie? - Arbeitsmarktzugänge für zugewanderte und geflüchtete Menschen mit Behinderung - Projektseite: Crossroads