Frau T. in grauem Pulli links daneben Schriftzug Erfolgsgeschichte und Logos
Foto Frau T.

Erfolgsgeschichte Frau T.

Erzählt und geschrieben von Stephanie Ivaschuk (NIFA plus-Beraterin der BruderhausDiakonie in Tübingen):

Erfolgsgeschichte: Mit Geduld und sozialpädagogischer Begleitung in den Arbeitsmarkt

Frau T. kam im Herbst 2024 über die Hilfsorganisation Plan B in unser Projekt zur beruflichen Integration geflüchteter Menschen (NIFA plus). Hintergrund war ihre dringende Suche nach Arbeit unter schwierigen rechtlichen, gesundheitlichen und psychosozialen Bedingungen.
Frau T. stammt aus Serbien und kam infolge des Jugoslawienkrieges nach Deutschland. Sie lebt mit einer Duldung. Flucht, Kriegserlebnisse und jahrelange familiäre Belastungen haben tiefe Spuren hinterlassen. In Deutschland pflegte sie über viele Jahre hinweg ihren schwer erkrankten Ehemann. Die gemeinsame familiäre Situation war stark belastet; vier Kinder, die ebenfalls traumatisiert sind, mussten schließlich in stationären Einrichtungen untergebracht werden. Der Tod ihres Mannes im Jahr 2024 bedeutete einen weiteren schweren Einschnitt – und zugleich den Beginn einer Phase, in der Frau T. erstmals wieder versuchen konnte, den Blick auf ihre eigene Zukunft zu richten.

Hohe Motivation trifft auf gesundheitliche Grenzen

Von Beginn an zeigte Frau T. einen ausgeprägten Wunsch, arbeiten zu gehen. Sie war sehr motiviert, brachte eigene Ideen ein, recherchierte potenzielle Arbeitgeber*innen und vermittelte immer wieder eigene Kontakte. Für sie war Arbeit ein Symbol von Selbstständigkeit, Würde und gesellschaftlicher Teilhabe. Gleichzeitig zeigte sich im Projektverlauf, dass Frau T. ihre körperlichen und psychischen Belastungsgrenzen häufig überschätzte. Immer wieder kam es zu gesundheitlichen Problemen, die dazu führten, dass sie bereits bei Probearbeiten oder in der Anfangsphase von Tätigkeiten scheiterte. Mehrfach konnte sie vereinbarte Probearbeitstage oder Vorstellungsgespräche nicht wahrnehmen. Diese Situationen waren für sie selbst sehr frustrierend und verstärkten Versagensängste und Selbstzweifel.

Enge Begleitung und Netzwerkarbeit als Schlüssel

NIFA Plus begleitete Frau T. über einen langen Zeitraum hinweg intensiv. Die Unterstützung umfasste unter anderem:
• Erstellung und Anpassung von Bewerbungsunterlagen
• Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche
• Begleitung bei Telefonaten mit Arbeitgebern
• Organisation und Reflexion von Probearbeitseinsätzen
• Unterstützung bei der realistischen Einschätzung von Belastbarkeit
Parallel dazu wurden – mit Einverständnis von Frau T. – Kontakte zu behandelnden Ärzt*innen und Psycholog*innen gehalten, um gesundheitliche Aspekte in die Integrationsplanung mit einzubeziehen. Die Situation war zusätzlich durch den Druck der Ausländerbehörde geprägt, die eine Arbeitsaufnahme forderte. NIFA plus übernahm hier eine vermittelnde Rolle, blieb im kontinuierlichen Austausch mit der Ausländerbehörde sowie mit der Hilfsorganisation Plan B und setzte sich für realistische, tragfähige Schritte ein statt für kurzfristige Lösungen, die Frau T. überfordert hätten.

Ein wichtiger Durchbruch

Nach vielen Anläufen, Rückschlägen und Anpassungen gelang Ende 2025 schließlich ein Durchbruch: Frau T. konnte erfolgreich ein Probearbeiten in einem Pflegeheim absolvieren. Die Tätigkeit wurde bewusst niedrigschwellig gewählt und entsprach ihren aktuellen Möglichkeiten. Die Probearbeit verlief sehr positiv – Frau T. bewältigte die Aufgaben gut, und sowohl sie selbst als auch der Arbeitgeber zeigten sich zufrieden. Frau T. erhielt daraufhin einen Minijob-Vertrag. Sie ist zuständig für die Reinigung von Patientenzimmern und Sanitärräumen. Für sie persönlich ist dieser Schritt ein großer Erfolg: Sie ist stolz, glücklich und erlebt sich erstmals seit langer Zeit wieder als handlungsfähig und gebraucht. Der Arbeitgeber signalisierte bereits, dass bei weiterhin guter Zusammenarbeit perspektivisch eine Aufstockung der Stunden sowie ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis möglich sind.

Fazit: Integration braucht Zeit

Der Weg von Frau T. zeigt eindrücklich, dass berufliche Integration – insbesondere bei stark traumatisierten geflüchteten Menschen – Zeit, Vertrauen und einen langen Atem erfordert. Nicht jeder Rückschritt ist ein Scheitern, sondern Teil eines komplexen Stabilisierungsprozesses. NIFA plus konnte in diesem Fall durch kontinuierliche Begleitung, Netzwerkarbeit und realistische Planung entscheidend dazu beitragen, dass Frau T. trotz widriger Umstände einen Einstieg in den Arbeitsmarkt gefunden hat. Dieser erste Schritt ist ein bedeutender Meilenstein – für Frau T. persönlich und für das Projekt.