Bild von Herrn Y.

Erfolgsgeschichte von Herrn Y.

Erzählt und geschrieben von Katarzyna Hendzak (NIFA plus-Beraterin der Stadt Pforzheim):

Herr Y. stammt aus Afghanistan, wo er in eine Goldschmiedefamilie geboren wurde. Die familieneigene Werkstatt war für ihn ein Spielplatz und bereits im Alter von 10 Jahren unterstützte Herr Y. seinen Vater bei der Arbeit. Das war der Beginn seiner Leidenschaft für den Beruf des Goldschmiedes. 
Nach sechs Jahren Schulzeit begann er die Ausbildung im Familienbetrieb. Anders als in Deutschland gibt es in Afghanistan traditionelle Lehrlingsausbildungen, die in Familienbetrieben stattfinden. Der Großteil der beruflichen Qualifizierung erfolgt durch Zuschauen und Mitwirken. Nach sieben Jahren der Ausbildung legte Herr Y. eine informelle Prüfung bei seinem Vater ab, in der er sein Wissen und Fachkompetenz unter Beweis stellte. Formelle Zeugnisse oder Zertifikate gab es dafür nicht. Weitere sieben Jahre war Herr Y. als selbstständiger Goldschmied tätig und leitete gemeinsam mit seinem Vater das große Familiengeschäft.

Aufgrund des Krieges und der schlechten wirtschaftlichen Situation verließ Herr Y. 2017 mit seiner Frau die Heimat. Nach Aufenthalten in der Türkei und in Griechenland kam die Familie 2022 nach Deutschland. Dieser Neuanfang war nicht einfach. Für Herrn Y. bedeutete dies vor allem Deutschkurse zu besuchen, eine neue Sprache zu erlernen und eine neue Kultur kennen zu erlernen. Für jemanden, dessen sechsjährige Schulzeit bereits 30 Jahre zurücklag, war dies eine große Herausforderung. Heute verfügt Herr Y. über mündliche Sprachkompetenzen auf dem Niveau B1.

Im April 2025, nach einem Deutschkurs, wandte sich Herr Y. auf Empfehlung seiner Lehrerin, an eine NIFA plus Mitarbeiterin bei der Stadt Pforzheim und bat um Hilfe bei der Arbeitssuche. Kein einfaches Unterfangen: Denn weder ein Schulzeugnis noch ein Arbeitsnachweis konnten vorgelegt werden. - Andererseits wo, wenn nicht in Pforzheim, einer „Goldstadt“ mit einer jahrhundertelangen Tradition in der Schmuckherstellung, könnte dieses Unterfangen gelingen?  

In den Beratungsstunden erzählte Herr Y. mit sehr großer Leidenschaft von seiner Arbeit und zeigte Fotos seiner handgefertigten Schmuckstücke. Es war sofort klar: Sein größter Traum war, wieder in seinem erlernten Beruf tätig zu werden. Doch ohne Unterstützung wäre der Bewerbungsprozess in Deutschland für ihn allein kaum zu bewältigen gewesen. Daraufhin wurde eine Initiativbewerbung erstellt und an mehrere Unternehmen in Pforzheim verschickt. Von zwei Betrieben erhielt Herr Y. eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.
Heute arbeitet Herr Y. für ein namhaftes Unternehmen in Pforzheim und ist Teil eines Teams von 18 Fachkräften. „Mein Chef ist der beste Mann!“, erzählt er. „Ohne Arbeit war ich wie ein kranker Mann. Jetzt bin ich glücklich.

Die Geschichte von Herrn Y. ist der Beleg dafür, dass Handwerk wortwörtlich „in den Händen“ steckt und nicht immer Zeugnisse oder Zertifikate benötigt. Dank seiner Ausdauer, seiner positiven Einstellung und dem Glauben an sich selbst, konnte Herr Y. seinen Traum erfüllen und ist jetzt als Goldschmied in Deutschland tätig.  

Die Geschichte von Herrn Y. zeigt auch, wie wichtig Unternehmen sind, die sich trauen, bei der Auswahl ihres Fachpersonals unkonventionelle Wege zu beschreiten und die bereit sind, die fachlichen Fertigkeiten und Kompetenzen des Bewerbers wichtiger zu erachten, als das Fehlen von formellen Zeugnissen.

Und last but not least: der Erfolg des Herrn Y.  wäre ohne die professionelle und nachhaltige Unterstützung seitens der NIFA plus Beraterin so nicht möglich gewesen.

Ohne Arbeit war ich wie ein kranker Mann. Jetzt bin ich glücklich.

NIFA plus-Teilnehmer Herr Y.

Die Geschichte von Herrn Y. belegt erneut die Bedeutung von Projekten, in denen engagierte Mitarbeiter, Geflüchtete bei der Arbeitssuche unterstützen.

NIFA plus-Beraterin Katarzyna Hendzak